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12.03.2020

Entfaltet und aufgeblasen bachab

Aufblasbare Gummi­boote sind über­all, doch die wahren Wasser-Snobs fahren Falt­boot.

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Faltboote be­ste­hen aus einem Gerüst aus Holz oder Alu­mi­ni­um und einer Haut aus Gummi oder Segel­tuch. Sie sind robust, leicht zu trans­por­tie­ren, haben eine Nutz­last von bis zu 400 kg und eignen sich auch für län­ge­re Expeditionen.

Aufblasen und sich davon­trei­ben lassen – das ist bei immer mehr Schwei­zern im Sommer die Devise. Viele Schweizer Flüsse sind zwar nicht im klas­si­schen Sinne schiff­bar. Trotzdem laden sie zum ge­müt­li­chen Boot­fahren. Die Aare zieht zwischen Thun und Bern den halben Kanton bachab, und zwischen Biel, Solothurn und Olten geht es weiter. Eine der längsten Strecken bietet die Reuss, und auch der Rhein bietet pas­si­o­nier­ten Gummi­böötlern viele passende Stellen.
Wichtig sind dabei ein paar Vor­sichts­mass­nah­men wie Schwimm­westen, wenig Alkohol und Auf­merk­sam­keit bei Brücken und Hin­der­nissen, und los geht der Spass.

Der Klassiker: Ein höl­zer­nes Gerüst eines Bootes aus der ersten Hälfte des 20. Jahr­hun­derts. Eine neue Boots­haut macht eine solche Kon­struk­tion zu einem ebenso edlen wie um­welt­freund­li­chen Oldtimer.
Gummiboot_Zusatz_Text

Das grosse Trei­ben ist eine der ältesten Massen-Outdoor-Ak­ti­vi­tä­ten über­haupt. In den Jahren vor dem Ersten Welt­krieg wurden in Deutschland die so­ge­nann­ten Falt­boote erfunden. Das waren Kajaks für eine bis drei Personen. Eine Haut aus Gummi und Segel­tuch wurde auf ein zer­leg­ba­res Gerüst aus Holz­stäben gezogen. Die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten passten in zwei grosse Trag­taschen. Und so fuhr man denn mit dem Zug die Flüsse entlang, baute die Boote zu­sam­men und paddelte hin­un­ter. Beliebt waren auch grosse Er­kun­dungs­tou­ren mit Zelt und Sack und Pack, zumal grössere Falt­boote bis zu 350 kg Ladung tragen. So liessen sich die Seen­land­schaften von Friesland in Holland, von Masuren in Polen oder die Wasser­welt rund um Berlin erkunden. Mit der Zeit wurden Falt­boote so see­tüch­tig, dass mit ihnen Arktik-Ex­pe­di­ti­o­nen und Atlantik­über­quer­ungen möglich wurden. Sie halten bei ei­ni­ger­mas­sen guter Pflege sehr lange, sind aber auch sehr viel teurer als Gummiboote.
Die Falter wurden deshalb von ihren auf­blas­baren Kollegen mitt­ler­wei­le weit­ge­hend ver­drängt. Aller­dings gibt es eine kleine, aber en­ga­gier­te Szene, welche die Tra­di­ti­on auf­recht­er­hält. Unter öko­lo­gisch bewegten Hipstern ist es in­zwi­schen wieder beliebt, ein edel ge­schrei­ner­tes Boots­ge­rüst aus den 1920er-Jahren zu res­tau­rie­ren und eine neue Haut dafür zu schnei­dern. Wer sich so ent­fal­tet, paddelt dann den auf­ge­bla­se­nen Kollegen besonders stil­voll davon.

Gummibootführer Schweiz
werdverlag.ch

Die Heimat der Faltboot-Freaks und Faltboot-Restaurateure
faltbootbasteln.de

Faltboot-Hersteller:
Klepper ist der Klassiker unter den Falt­booten. Er­satz­teile passen auch auf 60-jährige Boote, und wenn nicht, weiss der Kun­den­dienst eine Lösung.
klepper.de

Nautiraid:
Nautiraid ist ein fran­zö­si­scher Her­steller mit mo­der­nen In­ter­pre­ta­ti­onen des Falt­boots. Es gibt sogar ein Falt­boot, das sich wie eine Jolle segeln lässt.
nautiraid.de

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